Der Jasager und der Neinsager sind Lehrstücke von Bertolt Brecht. Sie erzählen zwei Varianten der gemeinsamen Handlung, die von Einverständnis handeln.
Ich habe besonders viel nachgedacht über den letzten Satz in dem Neinsager: "Keiner feiger als sein Nachbar." Ich verstehe Brechts Absicht nicht. Zuerst habe ich gedacht, dass es besser ist, wenn der Knabe ein Neinsager ist. Trotz des Brauchs lebt er. Die junge Studenten bekommen eine Gelegenheit, den Brauch zu ändern. Sie sollen alle zufrieden sein. In der moderner westlicher Kultur sind die Freiheit und der Recht auf den Widerstand sehr wichtig. Ich möchte zustimmen, dass der Neinsager eine befriedigendere Endung hat.
Aber wegen dieses Adjektivs "feiger" finde ich keine Ruhe. Die negative Konnotation besteht. Wie könnte man es verstehen? Man muss mutig sein, dem Brauch oder dem Gesetz zu bestreiten. Man muss tapfer sein, seinem Lehrer zu widersprechen. Warum sind die drei Studenten feig?
Vielleicht sind sie ganz nicht feig. Vielleicht "Keiner feiger als sein Nachbar" bedeutet, dass die drei Studenten und der Knabe mutig sind. Ich meine auch umgeachtet der Interpretation, dass der Satz stimmt nicht. Entweder ist der Knabe mutiger als die drei Studenten oder er ist feiger. Er könnte mutiger sein, weil er erstens widersprochen hat und weil die Studenten ihm folgen. Aber er könnte auch feiger sein, weil wenn sein eigenes Leben nicht bedroht geworden wäre, würde er nie dem Brauch widersprechen.
